Meine Auszeichnungen sind meine Kunden!

In den letzten drei Monaten habe ich mit meinen Fotos immer wieder an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Ich freute mich bei jeder Auszeichung wie ein kleines Kind an Weihnachten und war stolz auf mich. Ich dachte, ich habe es geschafft, ich bin endlich eine erfolgreiche Fotografin. Bis an jenem Tag, an welchem das Ergebnis eines für mich wichtigen Contests bekannt gegeben wurde – und dreimal darfst du raten – ich war nicht unter den top platzierten Fotografinnen dabei. Auch wenn ich mir meine Chancen auf eine Auszeichung niedrig angerechnet habe, hoffte ich dennoch so sehr mit zumindest einem Bild ausgezeichnet zu werden. Denn ich habe mit diesen Auszeichnungen Erfolg verbunden. Und wie du dir vorstellen kannst, war die Enttäuschung dementsprechend groß, als ich mir die Ergebnisse angesehen habe. Die ausgezeichneten Fotos waren selbstverständlich grandios. Ich empfand ein Foto schöner als das andere und je länger ich mir die Ergebnisse anschaute, desto deprimierter wurde ich. Ich fragte mich was ich bloß falsch gemacht habe, warum meine Fotos nicht gut genug sind und wie peinlich das doch ist, eine Menge Fotos eingereicht zu habe und mit keinem Foto eine top Platzierung gemacht zu haben. Den ganzen Tag hatte ich das Gefühl versagt zu haben, nicht gut genug zu sein, irgendwie sogar fehl am Platze zu sein. Selbst in der Nacht konnte ich kaum schlafen da meine Gedanken ständig um dieses Thema kreisten. Als mich am nächsten Morgen eine Kollegin darauf angesprochen hat, ob ich doch auch bei dem Award unter den Finalisten dabei bin, war ich den Tränen nahe und meine Enttäuschung über mich selbst am Tiefpunkt.

Wie kann das Ergebnis eines Wettbewerbs, bei dem mir völlig fremde Personen, über hunderte von Fotos urteilen – ganz abgesehen von deren Gefühlszustand zum Zeitpunkt der Beurteilung – so eine Enttäuschung in mir auslösen? Ganz klar, weil ich es zugelassen habe. Ich habe meinen Fokus aus den Augen verloren und meine Ziele völlig falsch gesetzt. Denn eine Beurteilung von Fremden in Form einer Auszeichnung ist bloß fürs Ego und hat in meinen Augen mit Erfolg rein gar nichts zu tun. Zumindest dafür, was ich persönlich als erfolgreich verstehe. Ganz ehrlich, was hätte sich mit einer weiteren Auszeichung für mich wirklich geändert? NICHTS! Außer, dass ich meinen Fokus wahrscheinlich noch weiter aus den Augen verloren und mich mit Kollegen duelliert statt zusammengearbeitet hätte. Ich bin unglaublich froh und dankbar so einen tollen Kreis von Kolleginnen und Freunden zu haben, die mich ab und an mal daran erinnern, warum ich meinen Job mache – nämlich weil ich ihn liebe! Denn keine Beurteilung Fremder ist es auch nur ansatzweise Wert an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Hat man seine Leidenschaft gefunden, sollte man daran auch festhalten und sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Auch wenn das nicht immer leicht ist und man durch alle möglichen Einflüsse vom Weg abzutriften scheint, sollte man sich immer seine Ziele vor Augen führen und im Hinterkopf behalten warum man etwas tut und warum man für etwas steht.

Ich bin Fotografin weil es mich glücklich macht Familien schöne und besondere Herzensmomente zu schenken. Ich liebe es Erinnerungen mittels Fotos zu schaffen, die Jahre später noch das Herz höher schlagen lassen. Ich bringe in meiner Arbeit Geduld auf wie nirgendwo anders und ich vergesse dabei völlig die Zeit. Und wenn in meinem Beruf eine Beurteilung wichtig ist, dann ist es einzig und alleine ob sich meine Kunden vor meiner Kamera wohlfühlen und ob ich es schaffe ihnen mit meinen Fotos ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Mir wurde klar, dass keine Auszeichnung der Welt mir mehr bedeuten könnte, als das Vertrauen meiner Kunden. Denn ohne meine Kunden könnte ich meine Leidenschaft nicht ausleben. Und deshalb bin ich wirklich wirklich wirklich dankbar, für jedes einzelne Vertrauen das mir und meiner Arbeit geschenkt wird. Und stolz kann ich auch ohne weitere Auszeichnungen auf mich sein, denn ich habe den Mut aufgebracht meiner Leidenschaft zu folgen, bilde mich ständig weiter und investiere viel Zeit in meine Arbeit, auch wenn es in verschiedenen Lebenslagen Abstriche bedeutet.

Zusammengefasst werde ich mich zumindest in absehbarer Zeit von Wettbewerben fern halten, denn keine Jury der Welt kann auch nur ansatzweise nachvollziehen – geschweige denn aus der Ferne urteilen – mit welchem Herzblut ich meine Arbeit mache und welche Emotionen und Erinnerungen Familien mit meinen Bildern verbinden.

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